Leseproben:

 

 

 

1) 1. Roman: Einen Cappuccino, bitte!

 

1.a) Synopsis of Einen Cappuccino, bitte! (in English)

 

2) 2. Roman: Will ich das überhaupt?

 

2.a) Synopsis of Will ich das überhaupt? (in English)

 

3) 3. Roman: Schattenliebe

 

3.a) Synopsis of Schattenliebe (in English)

 

4) 4. Roman: Gestrandet in Nairn

 

5) 4. Roman: Stranded in Nairn (the English version)

 

6) 5. Roman: Romanze in Schottland

 

6.a) Synopsis of Romanze in Schottland (in English)

 

 

 

 

 


 

LESEPROBE von EINEN CAPPUCCINO, BITTE!

 

 

 

Christine wankte verschlafen ins Bad. Sie drehte den Duschhahn auf, stellte sich in die enge Kabine und wartete darauf, dass das Wasser endlich warm wurde. Wie oft muss ich dem Vermieter eigentlich noch sagen, dass er die Heizung überprüfen lassen soll, dachte sie, während der lauwarme, dünne Wasserstrahl über ihre Schultern rieselte.

 

    Sie hatte ausnahmsweise für eine Kollegin die Mittagsschicht übernommen, weil die einen Frauenarzttermin wahrnehmen wollte. Eigentlich war es noch viel zu früh am Morgen, um schon aufstehen zu müssen, zumindest wenn man nach einer anstrengenden Schicht erst um zwei ins Bett gefallen war. Aber Tanja hatte sie angefleht: „Bitte, ich kann nicht länger warten. Ich glaube, ich bin schwanger.“

 

    Himmel, das wäre das Allerletzte, jetzt schwanger werden. Sie trocknete sich ab, zog sich an, brühte Wasser auf und trug dann ihren Becher mit dem dampfenden Instantkaffee zum Küchentisch. Sie fischte eine Zigarette aus der zerdrückten Packung – die letzte – und steckte sie an. Der erste Schluck Kaffee verbrannte ihr die Zunge. Hastig stellte sie den Becher ab und verschüttete dabei einen Teil des Kaffees. Ein unförmiger, brauner Fleck breitete sich auf der billigen Resopalplatte des Tisches aus.

 

    Überhaupt war hier alles billig: die Möbel, die Wohnung, die Gegend, ihre Klamotten. Es war höchste Zeit, dass sie endlich eine gute Rolle ergatterte, eine, mit der sie groß rauskommen würde und mit der sie endlich genug Geld verdienen würde, um nicht jeden Cent umdrehen zu müssen.

 

    Auf dem Weg zur U-Bahn stellte sie sich vor, wie sie als gefeierte Schauspielerin die hippen Läden unsicher machen und sich alles leisten würde, was sie haben wollte. Wenn dann ab und an ein Fan unbedingt ein Autogramm von ihr würde haben wollen, würde sie ihm das lässig geben.

 

 In der Kneipe angekommen, ging sie in den Raum hinter der Theke, hängte ihre Jacke an den Kleiderhaken und zog die weiße Schürze über, auf der ihr Chef bestand. Er kam mit einem Kasten Bier an geschlurft. „Nanu, wo ist denn Tanja?“

 

    „Sie musste zum Arzt, ich hab ihre Schicht übernommen. Dafür kommt sie heute Abend.“

 

    Etwas Unverständliches brummend zwängte er sich dicht an ihr vorbei in den Schankraum. Christine folgte ihm und nahm sich den Lappen neben der Spüle. „Igitt, der ist ja total schmierig. Können Sie nicht mal einen sauberen besorgen? Der hier stinkt schon!“

 

    Ihr Chef pflanzte sich vor ihr auf. „Wenn dir der Lappen nicht passt, geh doch woanders bedienen. So eine wie dich mit ihren Starallüren find ich allemal wieder. Außerdem sind wir hier nicht das Ritz.“

 

    Christines Blick fiel auf den Kalender an der Wand. Ob Leo das Drehbuch inzwischen schon fertig geschrieben hatte? Vielleicht würde die Telenovela ja noch einmal verlängert werden; da musste doch wenigstens eine größere Nebenrolle für sie drin sein. Leo könnte sich noch einmal für sie einsetzen. Sie würde ihn später sofort anrufen. Diesen Abend hatte sie frei, da konnten sie sich treffen. Mit einem Funken Hoffnung arbeitete sie weiter.

 

                                                                       *

 

   „… Klappe: Balsam - die sechste.!“

 

  « Ich muss es ihm sagen.»

 

 «Das geht nicht. Du bringst dich damit in Teufels Küche.»

 

 «Aber ich liebe ihn …»

 

     Leo schlich sich auf Zehenspitzen aus dem Fernsehstudio. Unglaublich! Sie lief gut, diese Telenovela. Die Einschaltquoten waren so hoch, dass sie vor einem halben Jahr noch einmal um 200 Folgen verlängert worden war.

 

    „Leo, hast du eine Minute?“

 

    Magnus Kunzer, der Produzent von Balsam für die Seele, steckte seinen Kopf zur Studiotür hinaus und winkte Leo zu sich zurück. „Lass uns in mein Büro gehen.“

 

    „Aber wirklich nur eine Minute. Ich muss los.“

 

    „Dauert nicht lange.“ Sie gingen zu dem runden Konferenztisch. Der Produzent beugte sich nach vorn. „Leo, ich weiß, du hast gerade erst die letzten Seiten unserer aktuellen Staffel abgeschlossen und natürlich kannst du dir  eine kleine Auszeit gönnen.“

 

    „Was heißt eine kleine Auszeit? Das gegenwärtige Drehbuch ist so gut wie fertig und dann ist für mich hier Schluss! Das habe ich dir deutlich zu verstehen gegeben“, entgegnete Leo aufgebracht. Hektisch zog er an seiner Zigarette.  „Mein Akku ist leer. Ich brauche eine längere kreative Pause von dem Kram.“

 

    Kunzer zog die Augenbrauen hoch. „Aber, aber. Wir wollen doch nicht ausfallend werden. Schließlich lebst du ganz gut von diesem „Kram“, oder?“

 

    Leo schwieg und sah zum Fenster hinaus. Seit drei Jahren schrieb er nun für Kunzer als Leiter des Autorenteams den Hauptteil der Drehbücher seiner Telenovelas. Inzwischen wurde die zweite Verlängerung der ersten Staffel gedreht. Die Zuschauer waren begeistert.

 

    Er stellte sich und maß Kunzer verärgert. „Ich bin von ein bis zwei Staffeln ausgegangen, inzwischen kam eine dritte dazu. Bereits letztes Jahr habe ich dir gesagt, dass ich für eine vierte Staffel nicht mehr zur Verfügung stehen werde! Ich will endlich etwas Anspruchsvolleres machen.“

 

    „Leo!“ Kunzer stand auf und legte ihm beschwörend die Hände auf die Schultern. „Lass mich jetzt bitte nicht hängen! Ich habe ja versucht, einen anderen Drehbuchautor zu finden.“ Er zuckte mit den Schultern. „Aber, ehrlich gesagt, dein Format hat einfach keiner von ihnen.“

 

    Leo ging in Richtung Tür.

 

    „Hör zu, ich erhöhe dein Gehalt. Nur noch dieses eine Mal – und du hast völlig freie Hand.“ Leo blieb stehen und atmete tief durch. „Danach werde ich sehen, was ich für dich tun kann.“ Leo drehte sich um und sah ihn erwartungsvoll an. „Du sollst ja nicht nochmal verlängern. Gönn dir ein paar Tage Ruhe und dann leg los: neuer Schauplatz, neue Protagonisten, neue Story. Den Titel hab ich auch schon: Wege des Herzens.“

 

    Leo war verunsichert. Schließlich war weit und breit kein anderes Projekt in Sicht, mit dem er hätte seine Brötchen verdienen können. Aber er wollte sich nicht sofort entscheiden. „Ich überleg‘s mir.“

 

In der U-Bahn lehnte Leo sich zurück und schloss die Augen. Eigentlich hatte er sich an diesem Abend zur Feier dessen, dass Telenovelas für ihn bald der Vergangenheit angehören würden, einen besonderen Whisky genehmigen und Zukunftspläne schmieden wollen.    Wieso hatte er dann Kunzers Angebot nicht rundweg abgelehnt? Als er die erste Telenovela schrieb, war das für ihn eine einmalige Sache. Er hatte zuvor keine nennenswerten Erfolge gehabt, bis ein Bekannter ihn auf eine Party der Filmleute mitnahm und er dort Kunzer kennenlernte. Er bot Leo spontan an, das Drehbuch für die erste geplante Telenovela zu schreiben und für die Koordination der Skripts der Mitautoren verantwortlich zu sein.

 

   Das war zwar intellektuell nicht sehr anspruchsvoll, aber es war etwas Neues und es brachte Leo genug Geld ein, so dass er sich nicht ständig nach weiteren Aufträgen umsehen musste. Freudig überrascht sagte er zu.

 

    Dann kam diese Telenovela so gut an, dass eine Staffel mit neuen Hauptdarstellern angehängt wurde und er ohne weiter darüber nachzudenken auch dafür verantwortlich war. Inzwischen war das Ganze zum Selbstläufer geworden. Immer mehr Zuschauer schalteten zu, obwohl die Konkurrenz in anderen Sendern nicht schlief. Aber Balsam für die Seele hatte die besten Einschaltquoten von allen.

 

Er sah aus dem Fenster. Sein Spiegelbild in der Scheibe blickte ihn nachdenklich an. Zwar suchte er eine andere Tätigkeit, die ihn geistig herausforderte, andererseits hatte sich bisher nichts ergeben. Nach drei Jahren seichter Storys hatte er den Ruf,  nur oberflächliche, romantische Liebesintrigen zur Unterhaltung produzieren zu können. Das machte ihm bewusst, dass es sehr schwer werden würde, aus dieser Schublade herauszukommen. Außerdem wollte Kunzer ihm noch mehr zahlen als jetzt schon; und falls er sich nach dieser neuen Staffel wirklich für ihn einsetzen würde, hätte er vielleicht eine Chance.

 

Zuhause ließ er sich im Wohnzimmer auf dem Sessel mit dem braunen, abgewetzten Cordbezug nieder und legte die Beine auf den Stapel Zeitschriften, die auf dem Wohnzimmertisch lagen. Sein Blick glitt über die DVDs, die er aufgenommen, aber nur zum Teil beschriftet hatte. Diverse kleine und größere Notizzettel lagen wahllos verstreut überall herum und neben dem vollen Aschenbecher standen noch die Gläser vom vorletzten Abend, als er mit seinem Freund Thomas eine Flasche Wein getrunken hatte.

 

   Etwas blinkte weiter vorne – sein Telefon. Er zog es unter der Zeitung hervor und drückte auf den Wiedergabeknopf. Christines Stimme ertönte: „Hallo, Leo! Wie war’s bei Kunzer? Melde dich, wenn du zurück bist; ich hab heute meinen freien Abend.“

 

   Leo war seit fast zwei Wochen nicht mehr ausgegangen, vielleicht würde ihm eine kleine Abwechslung ganz gut tun.

 

Auf dem Weg zu dem italienischen Lokal, in das er ab und zu mit Christine essen ging, dachte er über sie nach. Beim Casting der ersten Staffel hatte er sie kennengelernt.  Auf der U-Bahnfahrt nach Hause hatte Christine sich neben ihn gesetzt. Sie waren ins Gespräch gekommen und es stellte sich heraus, dass sie in seiner Nähe wohnte.

 

   Später hatten sie sich bei den Dreharbeiten getroffen, waren hinterher ab und an zusammen essen gegangen und an einem lauen Sommerabend waren sie miteinander im Bett gelandet. Da sie beide keine festen Partner hatten, schliefen sie seitdem manchmal miteinander. Anfangs war es eine lockere, ungezwungene Affäre, bei der keiner von beiden sich zu etwas verpflichtet fühlte.

 

   Aber nach einem Jahr etwa fing Christine an zu nerven. Sie war nach der ersten Staffel zusammen mit den Hauptpersonen ausgeschieden, da der Regisseur mit ihren Leistungen nicht zufrieden gewesen war.

 

    Leo schrieb aber weiterhin die Drehbücher für die beiden Folgestaffeln der Telenovela und so hatte Christine wohl den Eindruck, er könne bei Kunzer ein gutes Wort für sie einlegen. Dass ihre Qualitäten als Schauspielerin nicht ausreichen könnten, stand für sie gar nicht zur Debatte.

 

    Leo fühlte sich inzwischen von ihrem Drängen zunehmend genervt und unter einem Erwartungsdruck ihrerseits, den er weder erfüllen konnte noch wollte. Ihm wurde bewusst, dass er nicht nur davon ausgegangen war, mit Telenovelas abzuschließen, sondern auch mit Christine. Er hatte es bisher nur nicht gewagt, ihr das so direkt zu sagen. Aber diesen Abend wollte er das endlich angehen.

 

 

 

 

 

SYNOPSIS of Einen Cappuccino, bitte!

 

 

 

Leo, 33, is supposed to write the script for a telenovela. But he is exhausted, he has no ideas for a new storyline. His friend Thomas advises him to take time out. So he books a cruise.

 

On the ship he meets Sophie. She is an actress at a light theatre. While cruising through the Caribbean and visiting the ruined cities in Yucatàn they fall in love with each other.

 

But does their love stand a chance in the long run? Sophie lives in Munich, Leo in Berlin. And Christine, with whom he had an affair, does not want to accept that he finished it.

 

 

 

 

 

 

 

LESEPROBE von WILL ICH DAS ÜBERHAUPT?

 

 

 

Marie erwachte allmählich aus einem traumlosen Schlaf. Sie öffnete die Augen und blinzelte; durch das offene Fenster schien hell die Sonne. Mit einem Schlag war sie wach: Ich bin auf Madeira – in Urlaub! Sie setzte sich auf und schaute hinaus.

 

   Ihr Blick ging an einem ausladenden Drachenbaum vorbei über die rot blühenden Bougainvilleas, die sich üppig über die weiße Mauer des Hotelgartens ergossen, und blieb an dem schmalen Streifen Meer hängen, dunkelblau unter dem wolkenlosen Himmel. Sie streckte sich wie eine Katze. Ach, war das schön!

 

    Dann fiel ihr ein, dass sie ja ab heute 30 war. Sie ließ sich wieder auf ihr Bett fallen. Oh nein, jetzt werde ich alt!

 

    Sie war am vorherigen Nachmittag angekommen, kurz nach Sophie, Leo und dem kleinen Filmteam. Abends hatten sie dann alle zusammengesessen, gegessen, geplaudert und um Mitternacht auf ihren Geburtstag angestoßen. Es war ein fröhlicher Abend gewesen,  Marie war leicht angetrunken in die Federn gekrochen und hatte wie ein Murmeltier geschlafen.

 

     Sophie hatte ihr erzählt, dass sie für diesen Sonntagabend einen Tisch im Restaurant des Hotels hatten reservieren lassen, wo sie und Leo Marie zu einem eleganten Dinner anlässlich ihres Geburtstages einladen würden. „Tagsüber haben wir nichts geplant; erst schlafen wir alle aus und dann wird sich schon etwas ergeben, was wir unternehmen können“, hatte Leo noch hinzugefügt.

 

    Jetzt war Marie gar nicht sicher, ob sie überhaupt etwas unternehmen wollte. Ihr wäre es am liebsten gewesen, wenn sie es sich mit ihrem Buch am Pool hätte gemütlich machen können. Mit Leo und Sophie wegzufahren, war zwar ganz nett, aber es führte ihr wieder einmal deutlich vor Augen, dass sie keinen Partner hatte. In solchen Situationen kam sie sich dann vor wie das berüchtigte fünfte Rad am Wagen.

 

    Ihr Magen knurrte. Ein Blick auf die Uhr sagte ihr, dass es kurz vor neun war. Sie stand auf und stellte sich ans Fenster. Daneben führte eine Tür auf einen recht großen Balkon hinaus. Ein Tisch und zwei bequeme Sessel mit flauschigen Kissen luden zum Verweilen ein. Am liebsten würde ich hier frühstücken, dachte sie, als ihr Handy klingelte. Es war ihre Mutter. Sie gratulierte ihr und Marie schwärmte ihr von der schönen Aussicht vor, die sie gerade genoss. Sie redeten eine Weile, dann ging sie ins Bad. Sie wusch sich das Gesicht, putzte die Zähne und stellte sich unter die Dusche.

 

   Sie hatte gerade BH und Slip angezogen, als es an der Tür klopfte. Überrascht rief sie: „Wer ist da, bitte?“

 

    „Zimmerservice, Ma’am!“

 

    Nanu, sie hatte doch gar nichts bestellt … „Einen Augenblick, bitte!“ Rasch zog sie ihren Morgenmantel über und band den Gürtel zu. Dann ging sie barfuß zur Tür und öffnete.

 

    Sie blickte in einen Strauß roter Rosen. Bevor sie etwas sagen konnte, senkte sich der Strauß und dahinter kam Thomas‘ strahlendes Gesicht zum Vorschein. „Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag, Marie!“

 

    Sie starrte ihn an. „Wo kommst du denn so plötzlich her?“, fragte sie ungläubig.

 

    „Wenn du mich reinlässt, erklär ich’s dir. Ich habe auch unser Frühstück mitgebracht!“

 

    Marie trat zur Seite und Thomas reichte ihr die Blumen, dann schob er einen Servierwagen ins Zimmer. Sie betrachtete den Strauß: 30 rote, langstielige Rosen. Thomas hatte sogar eine Vase organisiert!

 

    Vor der Balkontür blieb er stehen. „Belieben Madame Ihr Frühstück auf der Terrasse einzunehmen, vor dieser herrlichen Kulisse?“

 

    Marie strahlte. „Ich danke Ihnen, Monsieur. Das ist eine glänzende Idee!“

 

    Thomas ging hinaus und schob Tisch und Stühle etwas zur Seite. „Hilfst du mir mal, den Servierwagen über die Türschwelle zu heben?“

 

    Marie beeilte sich, seiner Bitte nachzukommen. Thomas rückte ihr einen Stuhl zurecht und wies darauf. „Ich bitte, Platz zu nehmen!“

 

    Lächelnd bedankte sie sich und ließ sich auf dem bequemen Stuhl nieder. Thomas begann, einen Deckel nach dem anderen von den Serviertellern zu heben: Erdbeeren, frische Croissants, Baguette, französischer Käse, Räucherlachs mit Meerrettichsahne, Rührei mit Krabben und Kräutern, Kaffee und eine Flasche Champagner in einem Kübel mit Eiswürfeln.

 

    Marie strahlte ihn an. „Das sieht ja richtig lecker aus. Danke für diese tolle Überraschung!“

 

    Thomas zuckte mit den Schultern. „Zimmerservice!“ Er bediente sie formvollendet, schenkte ihnen beiden Champagner ein und stieß mit ihr an; dabei sah er ihr in die Augen. „Auf dich und darauf, dass wir uns endlich wiedersehen!“

 

    Sie tranken, dann schüttelte Marie den Kopf. „Ich kann es immer noch nicht fassen! Wieso bist du denn hier auf Madeira?“

 

    „Leo wusste, dass ich geplant hatte, im Sommer irgendwann zu verreisen. Er schlug mir vor, ihn und Sophie hierher zu begleiten. Zunächst fand ich diesen Gedanken nicht so reizvoll, aber als er mir dann sagte, dass du auch da sein und deinen Dreißigsten hier feiern würdest, konnte ich nicht wiederstehen.“ Er lachte sie entwaffnend an.

 

    Marie musste plötzlich mit den Tränen kämpfen. „Ich freue mich auch sehr, dass wir uns wiedersehen; diese Überraschung ist dir voll gelungen!“ Sie sah ihm in die Augen und wäre am liebsten aufgesprungen und hätte ihn stürmisch geküsst. Stattdessen fragte sie vorsichtig: „Und wie lange bleibst du?“

 

    „Eine Woche, bis nächsten Sonntag, wenn Leo und die anderen wieder zurückfliegen.“

 

    „Du bist auch eine ganze Woche hier?“ Marie konnte ihr Glück kaum fassen. Sie knabberte genüsslich eine Erdbeere. „Wo hast du denn gestern gesteckt, als wir anderen alle zusammensaßen?“

 

    „Tja …“ Thomas zog die Augenbrauen hoch. „Ich bin ja quasi deine Geburtstagsüberraschung, also durfte ich mich gestern Abend noch nicht blicken lassen. Und außerdem musste ich doch noch unseren heutigen Ausflug organisieren.“

 

 

 

 

 

 

 

SYNOPSIS of Will ich das überhaupt?

 

 

 

While Christine is trying to make Leo commit himself to her by lying to him, he is fighting for Sophie’s love. She has separated from him and told him to decide what he really wants.

 

  Meanwhile her friend Marie has fallen in love with Leo’s friend Thomas. But he is a notorious womanizer who is far too casual about their relationship because this is the only way he knows of how to handle a relationship with a woman.

 

  But Marie is dreaming of the one great love of her life with a responsible-minded man who she can rely on.

 

 

 

 

 

 

 

LESEPROBE von SCHATTENLIEBE

 

 

 

PROLOG / Herbst 1983

 

Frances entdeckte ihn, als sie auf der Suche nach einer Lupe für ihre Großmutter war. Der Keller des alten Hauses war ihr schon immer unheimlich gewesen. Kalt, dunkel und verwinkelt, war er für sie der ideale Nährboden für finstere Alpträume. Dennoch wagte sie sich jetzt, als Achtzehnjährige, bewaffnet mit einer Taschenlampe und der Zuversicht der Jugend, dass ihr schon nichts passieren werde, die steile Treppe mit den ausgetretenen Stufen hinab. Immerhin hatte Großmutter ihr einen Anhaltspunkt gegeben: den langen Gang geradeaus durch, dann bis zur letzten Tür links, dort befinde sich der alte Küchenschrank ihrer Mutter, in dem sie die Lupe vermutete.

 

   Sie wühlte sich durch die Schubladen: mehrere halbvolle Streichholzschachteln, einige vertrocknete Haushaltsgummis und anderer Kleinkram, darunter eine alte Spielesammlung mit Mühle und Halma. Daneben ein Deck Spielkarten, ein Karton mit verfilzter Wolle in blau und rot und mehrere Hefte.

 

   Sie holte eines hervor und schlug es auf: Haushalt 1962. Akribisch waren dort alle Ausgaben aufgelistet, die ihre Großmutter für die monatlichen Einkäufe getätigt hatte. Neugierig begann sie die Eintragungen zu überfliegen. Von der Dose Bohnen über neue Unterwäsche und ein Radio war feinsäuberlich jede Ausgabe erfasst.

 

   Frances blätterte einige Seiten weiter und da lag es: ein vergilbtes Blatt, an den Rändern zum Teil eingerissen, die Tinte verblasst, zusammengefaltet zwischen den Kosten für die Reparatur der alten Nähmaschine im Mai und der Anschaffung einer Backform im Juni.

 

   In der Annahme, dass es sich um eine weitere Rechnung handele, faltete sie das Blatt auseinander. Eine großzügige Schnörkelschrift bedeckte die Seite. Sie erkannte sofort, dass dies ihre Mutter geschrieben haben musste. Ihre Schrift hatte sich inzwischen zwar etwas verändert, aber sie hatte schon immer die Anfangsbuchstaben mit Druck- statt mit Schreibschrift geschrieben.

 

   „… ist manchmal irgendwie komisch. Zuerst glaubte ich, sie sei nur pedantisch. Aber bei ihr ist ein Zwang dahinter, die Dinge so und nicht anders zu tun. Wenn ich versuche, sie auf dieses Verhalten anzusprechen, weicht sie mir aus.

 

Ich mache mir Sorgen um sie. Gestern habe ich beim Einkaufen Peter darauf angesprochen, aber er meinte nur, sie sei eben einsam. Wenn das Baby da sei, würde alles besser werden.

 

Im Moment wird es jedenfalls schlechter. Sie ist jetzt ziemlich dick und wird immer fauler. Sie lässt mich die ganze Hausarbeit erledigen, während sie den ganzen Tag lang da sitzt und – sie drehte die Seite um – liest, strickt oder vor sich hinbrütet und von ihrem Baby faselt. Noch sechs Wochen, dann ist es endlich soweit. Gott sei Dank! Mit jeder Woche, die vergeht, wird meine Verzweiflung größer. Rose meint, ich solle die Klosterschwestern fragen, ob sie sie nehmen.

 

Mama, ich hab solche Angst und fühle mich irgendwie allein. Ich kann doch nicht zum Arzt gehen, ich weiß nicht einmal, ob alles in Ordnung ist. Rose drängt mich ständig, ich solle mich untersuchen lassen.

 

Hoffentlich geht alles gut. Mama, könntest du nicht vielleicht -“

 

   Hier war die Seite zu Ende. Frances schüttelte das Haushaltsbuch in der Hoffnung, dass sie noch ein weiteres Blatt finden würde – Fehlanzeige! Sie überflog noch einmal das Geschriebene. Offensichtlich war dies Teil eines Briefes, den ihre Mutter an ihre Großmutter geschrieben hatte.

 

   Die Lupe war in der untersten Schublade. Erleichtert verließ sie den Keller. In der Küche säuberte sie sie und brachte sie dann zu ihrer Großmutter.

 

   „Ah, Frances, endlich!” Gierig griff sie danach und hielt sie über die aufgeschlagene Seite ihres Buches. „Das ist doch viel besser!“

 

   Frances wusste, dass sie sie beim Lesen eigentlich nicht stören sollte, aber ihr jugendliches Ungestüm ließ sie nicht warten. „Oma, schau mal.“ Sie kramte den Zettel aus ihrer Tasche und hielt ihn ihr hin. „Ist das ein Brief von Mama?“ Sie legte ihr den Zettel auf den Schoß und kniete sich neben den Sessel.

 

   Ihre Großmutter las die ersten Zeilen und schaute sie verwundert an. „Woher hast du das?“

 

   „Ich habe es in dem Schrank gefunden, wo auch die Lupe war. Es fiel aus einem deiner Haushaltsbücher heraus.“ Irgendwie fühlte sie sich ertappt, weil sie in diesen Büchern herumgeschnüffelt hatte.

 

   „Hm.“ Sie las weiter, dann knüllte sie den Zettel zusammen und ließ ihn in den Papierkorb neben ihrem Sessel fallen. „Was weiß ich, was sie da geschrieben hat. Ist ja auch unwichtig, das ist lang her.“ Ohne Frances weiter zu beachten, konzentrierte sie sich wieder auf ihre Lektüre.

 

   Unschlüssig, ob sie den Zettel aus dem Korb herausholen und aufbewahren sollte, stand Frances auf. „Ich koche uns einen Tee.“

 

   Als er fertig war, trug sie ihn in die Bibliothek. Der dicke Teppichboden, der die kalten Steinfliesen in dem großen Raum weitflächig bedeckte, verschluckte ihre Schritte; deshalb hörte ihre Großmutter sie nicht kommen. Sie saß da mit dem Zettel vor sich auf  ihrem aufgeschlagenen Buch, um konzentriert jedes Wort aufzusaugen.

 

Am folgenden Tag frühstückten sie kurz zusammen. Während die Großmutter den Postboten ausführlich nach seinem Rheuma befragte, schlich Frances sich geschwind in die Bibliothek und öffnete das Buch: Der Zettel lag nicht dort! Kurz darauf stieg sie in ihr Auto und fuhr nach London, ihrem Studentenleben entgegen.

 

Den Brief vergaß sie – bis zu dem Tag, 25 Jahre später, als sie im Schreibtisch ihrer Mutter das Foto eines Babys fand.

 

  

 

 

 

  SYNOPSIS of Schattenliebe

 

 

 

 June 1961:

 

Ellen, 18, and Alexander, 30, fall in love with each other. He has been married only recently and his father-in-law still owns the medical practice where he works as a GP. The night in which both give in to their feelings has consequences: Ellen is pregnant.

 

But Alexander is neither willing to jeopardize his career nor the status beside his wife who belongs to the upper class. Ellen is on her own. And how is she supposed to conceal her pregnancy from her stern and catholic father?

 

She flees to her friend from school, Rose, and there reaches a disastrous decision which will change her life and the life of the people close to her forever.

 

 

 

 

 

 

 

LESEPROBE von GESTRANDET IN NAIRN

 

(Ich widme diesen Roman dem schottischen Schauspieler, John Hannah, da er quasi „Geburtshelfer“ war.)

 

Seit ich dem Professor Deutsch beibringe, hinterfrage ich die Dinge, die mir begegnen, nicht mehr. Früher oder später ergeben sie einen Sinn. Aber im letzten Sommer, als ich Annas SMS las, fühlte ich mich vom Schicksal allein gelassen.

 

Wäre ich nicht so gutgläubig gewesen, hätte ich es vielleicht schon zuvor bemerkt. Zum Beispiel, als ich an einem Mittag im Mai früher nach Hause kam, weil ich mal wieder einen Migräneanfall hatte, wie so oft in letzter Zeit.

 

    Ich ließ den Elfer Grundkurs noch ihre Arbeit in  Englisch schreiben. Dann packte ich nach der fünften Stunde meine Tasche und fuhr langsam, weil mein Kopf schon erbarmungslos hämmerte, nach Hause. Dort angekommen, ließ ich meine Schultasche neben der Garderobe stehen, torkelte ins Schlafzimmer und ins Bett.

 

    Dass mittags der Rollladen noch unten war, registrierte ich nicht. Auch später, als ich mich, über die Toilettenschüssel gebeugt, übergeben musste, fiel mir das dritte gebrauchte Duschtuch, das zusammen mit meinem und dem von Erik auf dem Boden lag, nicht auf. Ich kniete vor der Toilette und würgte meinen Mageninhalt hinein.

 

    Als Erik kurz danach heimkam, lag ich auf der Couch im Wohnzimmer, ein kaltes Gelkissen auf der Stirn, und döste vor mich hin. Allmählich begannen die Tabletten, die ich in der Schule genommen hatte, zu wirken.

 

    Er fragte mich, seit wann ich zu Hause sei. Als ich sagte, ich sei kurz nach 12:30 Uhr heimgekommen,  sah er mich erschrocken an, fing sich aber gleich wieder. Danach ging er sofort ins Bad, räumte auf,  putzte und stellte eine Maschine Wäsche auf. Und ich war dankbar, dass er ausnahmsweise einmal beim Haushalt mit anpackte.

 

   Erik hatte keine Probleme damit, mich arbeiten zu lassen, während er stundenlang  am Computer saß und in irgendwelche Strategiespiele vertieft war.

 

    Allerdings hatte er seit einigen Wochen angefangen, samstags von vierzehn bis achtzehn Uhr eine halbe Schicht zu übernehmen. Einige Kollegen seien krank bzw. in Urlaub, da springe er eben ein. Ich dachte mir nichts dabei, ging einkaufen und nachdem ich geputzt hatte, bereitete ich Tests und Arbeiten vor. Sonntags attackierte ich verbissen die Bügelwäsche, während Erik joggen ging. Das gab er zumindest vor. Erst später fiel mir auf, dass er selten geduscht hatte, wenn er zurückkam.

 

   Hätte man mich gefragt, ob ich glücklich war, hätte ich mit den Schultern gezuckt. Was hieß schon „Glück“? Ich war gesund, hatte ein Dach über dem Kopf, einen Partner, und wenn es wie geplant lief, würden wir auch bald Kinder bekommen und vielleicht irgendwann heiraten.

 

   Aber was ich vor allem anderen wollte, und das schon seit drei Jahren, seit ich mein zweites Staatsexamen in der Tasche hatte, war eine Festanstellung an einem Gymnasium in der Nähe. Bisher hatte ich immer nur Zeitverträge gehabt, die für ein halbes oder ein Jahr galten. Auch in diesem Jahr wies nichts darauf hin, dass sich in dieser Hinsicht etwas zum Besseren wenden würde. Anfang Juli, zu Beginn der Sommerferien, würde mein Zeitvertrag zunächst auslaufen. Und ob ich ab dem nächsten Schuljahr entweder arbeitslos sein würde oder, mit viel Glück, an irgendeiner anderen Schule einen befristeten Zeitvertrag bekäme, würde sich wohl, wie meist, erst einige Tage vor Ende der Ferien ergeben.

 

   Meine Kollegin Anna, die auch Geschichte unterrichtete, hatte zwar einen Festvertrag, aber nur für eine halbe Stelle. Sie beklagte sich, weil sie gerne eine ganze gehabt hätte.     Immerhin hatte sie wesentlich mehr Freizeit als ich, und ich war mir nicht sicher, ob ich nicht gern mit Anna getauscht hätte. Die Unsicherheit, an jedem Schuljahresende erneut auf eine Anstellung hoffen zu müssen, war zermürbend und irgendwie auch erniedrigend. Und es nagte gewaltig an meinem Selbstbewusstsein.

 

                                                                       *

 

Am letzten Schultag waren noch einige von uns Kollegen ein Stündchen im nahen Biergarten. Anna saß dabei, ohne sich zu unterhalten, und nippte an einem Glas Orangensaft. Ich dachte bei mir, sie sieht so ferienreif aus wie ich mich fühle. Ich trank eine Rieslingschorle und ging recht beschwingt nach Hause. Jetzt waren erst einmal wohl verdiente Ferien angesagt und ich hatte vor, sie weidlich zu nutzen.

 

   Kurz nach zwölf kam ich in unserer Wohnung an und schenkte mir in der Küche gerade ein Glas Wasser ein, als Eriks Handy  vibrierte. Es lag direkt vor mir auf dem Tisch, also schaute ich automatisch auf das Display. Es zeigte das lachende Gesicht von Anna.

 

   ‚Nanu‘, dachte ich, ‚was will sie denn von Erik‘? Reflexartig und ohne darüber nachzudenken, was ich da eigentlich tat, las ich die SMS:

 

   „Erik, ruf mich an, sobald du kannst. Ich bin eine Woche drüber …“

 

 

 

 

 

 

 

SYNOPSIS of Gestrandet in Nairn

 

 

 

Lena, 30, is a supply teacher at an academic high school in Germany. Her contracts always terminate at the end of the respective school year; it is never certain whether she will get a further contract.

 

When she finds out that her partner Erik has been deceiving her she leaves him at once and spontaneously goes to the country she has always been dreaming of: Scotland.

 

On the north coast her old car breaks down, it cannot be repaired anymore. And thus Lena is stranded in the small seaside town of Nairn. There she is offered a short-term job as a domestic help: She can work for three weeks for a professor of Archaeology.

 

Hesitatingly she accepts the job, but only for two days as a time of probation. When she meets Gordon McNeil she is in for a surprise: The supposedly old professor is a rather attractive man of forty-one.

 

 

 

 

 

 

 

LESEPROBE von ROMANZE IN SCHOTTLAND

 

 

 

Sarah bestieg in Frankfurt die Maschine nach Glasgow mit einem Lächeln auf dem Gesicht.

 

Sie hatte es geschafft: Das Studium lag hinter ihr, sie hatte sowohl die Übersetzerprüfung in Englisch als auch die in Französisch mit einer Zwei bestanden. Sie machte seit einigen Jahren Stadtführungen in diesen beiden Sprachen, auch auf Spanisch, was allerdings eher selten vorkam. Ihr Vater war Spanier gewesen, sie war zweisprachig aufgewachsen, und so schien ein Sprachenstudium von klein auf für sie optimal.

 

  Sie war meist das ganze Jahr über mit ein bis zwei Führungen pro Woche ausgebucht. Nur im September, wenn sie ihren jährlichen Urlaub irgendwo in England, Frankreich oder Spanien verbracht hatte, war eine Kollegin für sie eingesprungen. Diese Führungen wollte sie jetzt, nach Beendigung ihres Studiums, weiterführen, denn sie brachten ein zwar kleines, aber stetes Einkommen. Sie wollte auf keinen Fall eine Festanstellung als Übersetzerin, aber Literatur zu übersetzen, wozu sie große Lust gehabt hätte, brachte nicht genug Geld ein.

 

Ihren Lebensunterhalt und ihr Studium hatte sie größtenteils von der Hinterbliebenenrente finanziert, die sie seit dem plötzlichen Tod ihrer Eltern sieben Jahre zuvor bekam.

 

Sie hatte Glück und einen Sitzplatz in der dritten Reihe ergattert. Sie schnallte sich an und schloss die Augen.

 

Die Zeit nach dem Unfall ihrer Eltern war hart gewesen. Sarah hatte keine Geschwister, die Großeltern väterlicherseits  lebten in Barcelona, also nicht gerade um die Ecke. Sie hatte auch keine enge Verbindung zu ihnen. Die Großeltern mütterlicherseits  lebten bei Köln. Auf sie konnte Sarah auch nicht bauen. Sie waren beim Tod ihrer 49jährigen Tochter bereits Ende siebzig. Sie kamen zur Trauerfeier mit dem Zug nach Mannheim gefahren, zwei alte, von Kummer gebeugte Menschen, die gern ihr Leben für das ihrer Tochter und ihres Schwiegersohnes gegeben hätten.

 

Sarah war in dem Sommer vor dem Unfall achtzehn geworden und das letzte Schuljahr vor dem Abitur hatte vier Wochen zuvor begonnen. Sie konnte einfach nicht begreifen, dass ihre Eltern vor der Steilküste der kleinen griechischen Insel Lefkada in einem Sturm gekentert und mitsamt Segelboot untergegangen waren. Irgendwo im östlichen Mittelmeer waren ihre Körper von aufgewühlten Wassermassen nach unten gezogen worden. Sie lag nachts im Bett und hielt die Luft an, bis sie den Druck nicht mehr aushalten konnte. Dann öffnete sie weit den Mund und atmete tief ein. Tränen liefen ihr über die Wangen bei der Vorstellung, dass sie anstatt Luft Wasser einatmen würde.

 

Sie brauchte drei Wochen, bis sie die Kraft hatte, in das Schlafzimmer ihrer Eltern zu gehen. Der ihnen eigene Geruch hing in den Vorhängen, in der Bettwäsche. Die Decken waren  hastig zurückgeschlagen, die Schlafanzüge unordentlich hingeworfen, weil sie nachts hatten aus den Federn kriechen und zum Flughafen fahren müssen. Ihr Flug war um sieben Uhr morgens gestartet. Sarah hatte sich abends zuvor, nicht ahnend, dass sie ihre Eltern nie wiedersehen würde, von ihnen verabschiedet.

 

Über dem Stuhl neben dem Bett ihrer Mutter hing noch das blaue Seidenkleid mit den hellblauen Streifen, das sie in letzter Minute wieder ausgepackt hatte.

 

„Wenn wir segeln, brauchst du nur Shorts und Shirts!“, hatte ihr Vater gesagt.

 

„Aber wenn wir abends irgendwo anlegen und schön essen gehen, will ich mich hübsch anziehen“, hatte ihre Mutter trotzig erwidert.

 

„Dann nimm einen Rock und zwei Tops mit, das reicht völlig. Wir haben auf dem Boot nicht viel Platz.“

 

Also war das feine Kleid praktischen Überlegungen zum Opfer gefallen.

 

In ihrem Bad lagen die benutzten Duschtücher über dem Rand der Wanne. Der Spiegelschrank über dem Waschbecken stand offen, die kleine Schale, in der ihre Mutter ihre Schminksachen aufbewahrte, stand auf dem Beckenrand. Nur der rote Lippenstift fehlte.

 

Es wirkte alles so, als kämen sie gleich zurück, seien nur für kurze Zeit weggewesen, um danach ihr gewohntes Leben wieder aufzunehmen. Eine Flasche Olivenöl im Gepäck, braun gebrannt, entspannt und überquellend von schönen Erinnerungen an die herrliche Landschaft, die Küsten, die Strände; begierig, die Bilder zu bearbeiten und dann ein weiteres Fotobuch anzulegen.

 

 

 

 

 

 

 

SYNOPSIS of Romanze in Schottland

 

 

 

Ella is a German author of romances. Her marriage being rather unsatisfactory, she tries to compensate her longing for romance and love in her stories – until she gets the chance to publish her latest novel in Scotland.

 

Ella’s present novel is about Sarah, a German translator, who visits her Scottish friend Erin and there meets Logan, the son of the owner of a whisky distillery. Logan first behaves rather condescendingly and Sarah thinks him an arrogant bastard. But Logan finds Sarah intriguing from the first minute AND she is the solution to his business plans. With her help he goes new ways for the distillery, and by and by he convinces her that he is the man she has always been dreaming of.